Julian Jaynes – das Bewusstsein ist jünger als wir annehmen
Ganz in der Tradition von mir selbst, dass ich am liebsten Wissen anzapfe, über das ich mich selber am meisten wundere, hier also ein kleiner Ausflug in eine harte, erschütternd einleuchtende Theorie.
Für Leute, die in die Tiefe gehen wollen: An der Universität in Princeton, der herausragenden Wissenschaftsschmiede der USA, lehrte bis in die 90er Jahre ein Professor, der eins der für mich persönlich spannendsten aller jemals geschriebenen Bücher veröffentlich hat.
Seine Name ist Julian Jaynes, und das Buch, das einschlug wie ein Bombe, trägt den holprigen Namen:
“Der Ursprung des Bewußtseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche.”
Mitgeschnitten? Der Ursprung des Bewusstseins. Darum geht es in diesem Buch. Und ”bikamerale Psyche” bedeutet nichts anderes als “Zwei-Kammern-Psyche”, als eine Pysche, die aus zwei Kammern besteht. Das ist erstmal keine Sensation.
Aber jetzt kommt’s: Laut Julian Jaynes war die menschliche Psyche bis ca. 1000 v. Chr. tatsächlich eine GETRENNTE Psyche. Die linke und die rechte Gehirnhälfte waren (und das ergaben seine Forschungen!) früher eben nicht so miteinander verbunden, wie das bei heutigen Menschen der Fall ist.
Es gab quasi zwei Psychen in einem Kopf. Die eine wusste von der anderen nichts.
Die Menschen vor dieser Zeit hatten schlicht kein Bewusstsein, eben sowenig wie Tiere und Kinder vor dem 3. bis 5. Lebensjahr.
Diese Theorie ist ziemlich mutig, und Jaynes selber fand sie “grotesk”, aber was blieb ihm übrig? Er zog nur eine Schlussfolgerung aus dem, was er zusammengetragen hatte.
Er schrieb sinngemäß: eine Gehirn-Seite hat relativ ferngesteuert durch die andere agiert… wobei die steuernde Kammer die “göttliche” war, welche (in entrückten Stimmen und Erscheinungen zum Individuum sprechend) die unterlegene Kammer durchs Leben befahl (also die “dumpfe” und beinahe unbewusste), ohne dass die letztere wusste, wie und was ihr geschah.
Der antike Mensch zu Zeiten des Trojanischen Krieges und des Pyramidenbaus war lles andere als sich seiner selbst bewusst. Er war Sklave seiner dominanten göttlichen Gehirnhälfte, die er nicht kontrollieren konnte. Heute nennt man das Schizophrenie.
Ich nenne es: das unsynchronisierte Gehirn.
Wir modernen Menschen hätten also demnach diese Schizophenie überwunden und SELBST-Bewusstsein entwickelt; das Resultat daraus war ein enorme Beschleunigung der Entwicklung der menschlichen Geistes und der ganzen Zivilisation.
Konkret geschehen ist dies durch den “Zusammenbruch der Zweikammern-Psyche” die nunmehr integriert funktionieren und Bewusstsein hervorbringen. Doch Achtung: Das Bewusstsein ist kein (biologischer) Entwicklungsschritt der Evolution, sondern eine kulturelle Leistung. Ein heutiges Kind, das in Babylon vor 4000 Jahren aufwüchse, würde einen bikameralen Geist entwickeln (und umgekehrt!).
Die psychische “Krankheit” Schizophrenie taucht übrigens gemäß dieser Theorie hin und wieder als evolutionärer Artefakt immer wieder auf. Ein Hinweis auf frühere Tage.
Gehirnhälften-Synchronisation wäre also, wenn man Jaynes folgt, der Startschuss für die Welt, wie wir sie kennen. Und je mehr das GESAMTE Gehirn eingebunden wird, desto größer die zivilisatorischen Sprünge.
Nicht auszudenken, wenn Einstein nun auch noch recht hätte…
…und wir wirklich nur 10% unseres geistigen Potentials nutzten! Da blieben nämlich noch jede Menge graue Zellen für die Synchonisierung übrig, und weitere große Sprünge sind vorprogrammiert.
Allein, dass wir heute über Gehirnwellen-Synchronisieurng sprechen können, ist nichts anderes als ein Ergebnis von Gehirnhälften-Synchronisierung, die sich im Laufe der Jahrhunderte verbessert und verstärkt hat, und dies weiterhin tut.
Wer sich für diese Theorie des “überraschend jungen menschlichen Bewusstseins” interessiert, dem sei das Buch ans Herz gelegt. Es ist eine großartige psycho-historische Lektüre, wie es keine zweite gibt.
Das Buch wurde für den amerikanischen “Book Award” als Buch des Jahres vorgeschlagen, und in FAZ, in der ZEIT sowie im SPIEGEL besprochen. Es ist extrem vergriffen, aber in einigen Bibliotheken und Antiquariaten oder bei manchen Amazon-Händlern vorrätig. Ich habe mir mein Exemplar vor 3 Jahren gesichert.
Denn ich wünsche mir sehr, dass dieses Buch eines Tages auf breiter Front wiederentdeckt wird.
PS: Jaynes meinte: Bewusstsein ist KEINE Voraussetzung für Lern- und Denkfähigkeit eines Menschen.
Und: Auch Hochzivilisationen könnten entstehen, ohne dass es dazu Bewusstsein braucht.
Wenn man dies als Idee akzeptiert, dann wird klar, warum Silent Subliminals so wirksam sind: Sie haben mit dem Bewusstsein nichts zu tun. Das Bewusstsein ist völlig nebensächlich, es ist nur die Oberfläche des tiefen Sees, in den wir unsere subliminalen Steine hineinwerfen… um dort unten ordentlich für Bewegung zu sorgen…
Was dann “von unten” als Lernresultat oder Denkergebnis herauskommt, wird vom Bewusstsein nur wahrgenommen, als “eigenes Wissen und Wollen”, aber all dies wird vom Bewusstsein keineswegs erschaffen. Nur bewusst gemacht.
Das scheint mir sehr zentral.
Mehr zum Thema Gehirnhälftensynchronisation
- Gehirnhälften synchronisieren (do it yourself) (mit Downloads)
- Gehirnhälften-Synchronisation (Intro)









deine Artikel über die Gehirn-Synchronisierung sind wirklich sehr interessant und machen Lust auf mehr…dieses Wissens. Hab Dank für den Buch Tip- das klingt mehr als nur spannend…!!
vg und mach bitte weiter so!
Puuuh, das ist starker Toback – aber wahnsinnig interessant!
Ganz spontan fällt mir ein, wenn man die 1000 Jahre vor Christus nicht als festes Datum nimmt, sondern eine gewisse Entwicklungszeit konstatiert, könnte die erste Gehirnhälftensynchronisation ungefähr zeitgleich mit dem bekannten Verzehr des Apfels vom Baum der Erkenntnis stattgefunden haben. Danach folgte die Vertreibung aus dem Paradies, also aus der Zeit, als man sich über sich selbst keine Gedanken machen musste. Das hat am Anfang sicher viele verängstigt.
Aber was tun sich da jetzt Chancen auf!
Nun das ist in der Tat eine interessante Theorie. Aber, wenn der Zusammenbruch der bikamerale Psyche nicht evolutionär ist, sondern allein das Resultat unserer Kulturleistung hervorgeht, wäre man dann nicht noch auf Zivilisationen, ich denke da insbesondere an Naturvölker, gestoßen, die eben aufgrund ihrer Kultur noch keine Bewusstsein entwickelt haben? Oder bei denen zumindest eine bestimmte Form von “Schizophrenie” in einzelnen Individuen auftritt? Das wäre doch wohl dann anzunehmen.
Oder kommt nun etwa ein globaler “Gaia-Effekt” ins Bild, der uns alle wie in dem Film Avatar miteinander verbindet? Das wäre ja dann wirklich eine Sensation! Aber viel Spaß das wissenschaftlich zu untermauern.
@cheiron
Danke für deinen Input.
Gaia-Bewusstsein, nun ja, so etwas zu beweisen (wer will das überhaupt? hätte jemand Interesse daran, der Erde ein “Bewusstsein” nachzuweisen? dann hätte die Sonne auch eins, und die Milchstraße auch etc.) ist sicher eine der heftigtsen Aufgaben, der man sich wissenschaftlich stellen kann.
Vielleicht besteht ja irgendwann Grund dafür, auch hierfür mal Geld auszugeben, schon aus reiner Selbsterhaltung als Gattung, anstatt weiterhin Milliarden dafür zu verpulvern, um zB Krebsgene zu finden, und am Ende NIX in den Händen zu halten – außer dem Mythos, dass man nur die richtigen Gene finden müsste bla bla…
Was deine Naturvölker betrifft ist das eine gute Idee, die Jaynes-These zu testen. Doch vielleicht haben Forscher schon oft solchen “schizophrenen” Voodoo-Magiern oder halbbewussten Eingeborenen gegenübergestanden, und haben es einfach nicht gemerkt, weil sie annahmen, der Mensch da denkt bestimmt irgendwie wie ich
[...] NeuroStreams Gehirnhälften-Synchronisation (Intro) Gehirnhälften-Synchronisierung (Extrablatt) [...]
Mein Gott, ist das alles spannend hier!
Nun, zu dem Artikel selbst kann ich erst einmal nichts sagen. Muss ich “sacken” lassen.
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ALLES ein Bewusstsein hat. Auch mein Computer
Jedoch “denkt” er ganz anders und hat ein völlig anders geartetes Bewusstsein als ich. Deshalb habe ich Schwierigkeiten, mit ihm direkt zu kommunizieren. Was mir allerdings in dem Moment etwas leichter fällt, wenn ich mich in ihn hinein versetze… Sozusagen eine Trancereise zum Bewusstsein meines Computers….
Nun, wie schon an mehreren anderen Stellen (ich hoffe, es kommt nicht irgendwie “missionarisch” rüber) zur Argumentation heran gezogen:
“good old” Huna: Prinzip Nr. 5 namens “Aloha” sagt unter anderem: “alles ist lebendig und gibt Antwort”. Wissenschaftlich lässt sich das wahrscheinlich erst dann beweisen, wenn sich Wissenschaftler an diese Aufgabe machen, die daran glauben, dass es so ist. Denn man findet immer die Antworten, die man sucht. Der Experimentator ist immer Teil des Experiments. Und ich glaube, es ist etwa seit Einstein bekannt, dass Teilchen sich von den Gedanken des Beobachters beeinflussen lassen.
Aber praktisch, finde ich, lässt sich das durchaus nachvollziehen. Nun, ich arbeite als Schamanin. Und da nutze ich bestimmte Grundannahmen, die gewünschte Resultate hinterlassen. Für andere Menschen mag da so manches abwegig klingen.
Ich sollte zum Beispiel einmal ein Haus auf Geister untersuchen. Abgesehen davon, dass dies nicht zu meinen “Spezialgebieten” zählt (ich bin weit besser im Umgang mit Menschen als mit Geistern
), erhielt ich ein ziemlich überraschendes Ergebnis: ich entdeckte keine Geister. Stattdessen sprach das Haus zu mir. Es langweile sich. Die Bewohner würden es nicht genug mit Leben und Freude füllen. Es sei zuviel alter Kram darin, und es werde die Vergangenheit zu sehr fest gehalten… Es war mir entsetzlich peinlich, aber ich musste meinen Auftraggebern das Ergebnis so wiedergeben.
Und ein anderes Mal sprach mich im Park ein Baum an und bat um meine Freundschaft… was sonst nie passiert ist – vorher nicht, und bislang nachher nicht.
Und wieder ein anderes Mal lächelte mich auf der Straße ein Hund an. Habt ihr schon einmal einen Hund lächeln sehen? Ich nur dieses eine Mal. Aber es war ein toller Moment, der mir den Tag versüßt hat…
Und damit Ihr hier nicht munkelt, ob ich vielleicht akustische Halluzinationen habe: nein, ich höre die Stimmen nicht wie andere Töne, als kämen sie von außerhalb. Es sind eher innere Inspirationen, Bilder, die sich dann in meinen Gedanken in Worte formen (können; nicht notwendigerweise müssen).
Da fällt mir gerade ein/auf, dass ich wahrscheinlich unter Bewusstsein nicht das gleiche verstehe, wie Mr. Jaynes… aber wie schon gesagt, Jaynes muss ich noch sacken lassen…
[...] Gehirnhälften-Synchronisierung (Extrablatt: Julian Jaynes) [...]